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Warum Verallgemeinerungen uns nicht weiterbringen…

Gabi Schmitt

Eigentlich sollen Verallgemeinerungen uns im Leben weiterbringen, weil sie Arbeit und Zeit sparen. Wenn ich weiß, dass meine Herdplatte daheim heiß ist, wenn ich sie anschalte, dann werde ich nicht nur dort nicht mehr meine Finger draufhalten, sondern auch nicht auf die Herdplatte meiner Schwiegermutter und nicht an den Backofen meiner Freundin. Ich weiß also bestenfalls: das Teil ist heiß, davon bleibe ich weg.

Aber es gibt auch Verallgemeinerungen, die viel zu allgemein sind und uns deshalb bremsen. Sie sind schlicht und ergreifend nicht wahr. Von wenigen einzelnen Erlebnissen wird auf alle bisher geschehenen und zukünftigen Erlebnisse geschlossen. Aber das stimmt nicht. Wenn ich weiß, dass die eingeschaltete Herdplatte heiß ist, dann heißt das nicht, dass alle Elektrogeräte heiß sind und ich die Finger vom Kühlschrank weglassen soll. Wäre ja auch blöd, bekäme ich ja nichts mehr zu essen. Auch den Fön darf ich benutzen, obwohl vorne heiße Luft rauskommt. Soweit, so deutlich.

An anderer Stelle gibt es Verallgemeinerungen, da stellen sich mir die Haare zu Berge. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon Verallgemeinerungen über Psychologen gehört habe. Relativ Fremde erzählen mir deutlich empört, dass Psychologen ja nur diesen Job haben, weil bei ihnen selbst was nicht stimmt. Oder dass sie viel Geld dafür bekommen, dass sie still rumsitzen und nichts tun. Oder aber auch, dass sie ganz seltsame Ansichten haben und auf gar keinen Fall irgendjemandem damit helfen können. Wenn ich dann interessiert zuhöre und nicke, dann bekomme ich Geschichten zu hören…. Aber wenn ich dann so ganz nebenbei sage: „Übrigens, ich bin Diplom-Psychologin…..“, dann wird in Windeseile doch die Meinung kundgetan, dass es vielleicht irgendwo auf der Welt ja doch einen Psychologen oder eine Psychologin geben könnte, der oder die eventuell gar nicht so schlimm sein könnte???

Ähnlich verhält es sich mit Pflegekindern. Und mit Pflegeeltern. Und mit Jugendämtern. Und mit Sachbearbeitern. Und überhaupt…. sollten wir doch manchmal überlegen, ob wir die Herdplatte da nicht mit dem Kühlschrank verwechseln. Nur weil es (leider) Pflegeeltern gibt, bei denen das Wohl des Kindes nicht an erster Stelle steht, sind nicht ALLE Pflegeeltern schlecht und egoistisch und aufs große Geld aus. Genau wie nicht alle abgebenden Elternteile abgrundtief mies und kriminell sind und ihre Kinder misshandeln. Auch „das Jugendamt“ als Institution ist per se nicht gut oder schlecht. Sie (die Mitarbeiter – da hätten wir dann sogar die Verallgemeinerung der Verallgemeinerungen) wollen weder liebenden Eltern ihre Kinder abholen, um sie an kinderlose Pflegeeltern zu verteilen. Noch knallen sie den Hörer auf oder löschen die Emails, wenn ihnen von Kindesmisshandlungen berichtet wird, weil sie gerade keinen Bock auf Arbeit haben.

Ja, es gibt all diese Fälle. Nein, es sind nicht alle Fälle so.

Wir dürfen da gerne genauer hinschauen. Wir dürfen differenzieren. Und wir dürfen es noch einmal versuchen, wenn wir uns die Finger verbrannt haben.

Wenn es irgendwie möglich ist, sollten wir unvoreingenommen an die Sache bzw die Person drangehen. Dazu ist es aber wichtig, dass wir uns unserer Einstellungen und Verallgemeinerungen bewusst sind.

Was denken wir denn generell über Pflegekinder oder Pflegeeltern? Über die Mitarbeiter des Jugendamtes, das uns betreut, oder über die Therapeuten, die wir um Hilfe bitten? Scheren wir alle über einen Kamm? Nach dem Motto: „kennste einen, kennste alle!“. Hat uns eine nicht geholfen, so kann uns niemals eine helfen? Haben wir im Blick, dass auch ein ganz bestimmtes Jugendamt viele, viele Mitarbeiter hat, die alle unterschiedlich denken und handeln? Schauen wir ganz genau hin, wie unsere Pflegekinder reagieren, statt zu denken: „Das ist bei Pflegekindern halt so. Da kann man nix machen“?

Ich verfolge auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/pflegekinderlife ganz genau, was geschrieben wird. Solange höflich diskutiert wird, möchte ich auch für negative Gefühle einen Raum geben. Aber manchmal bin ich auch genervt von dieser Haltung: „Ich hätte das viel besser gekonnt!“ und „Ich mache das richtig und der/die andere macht das komplett falsch!“. Nein, so ist das nicht und so wird es nie sein. Man steckt nicht in den Schuhen des anderen und man hat weder dessen (Pflege-)Kind noch seine Umwelt. Man kann einen anderen Menschen nicht anhand einiger weniger Sätze ver- und beurteilen. Diese Toleranz, die wir uns für unsere Kinder wünschen, die sollten wir auch selbst an den Tag legen. Ich habe schon einige wenige Beiträge löschen müssen, weil ich so einen negativen Mist nicht auf meiner Seite haben möchte. Die Pflegeeltern, die hier sind, sollen sich wohl fühlen und nicht angegriffen werden. Aber ich habe dann die Verfasser privat über Messenger angeschrieben und wollte gerne Genaueres wissen. Ausnahmslos kam eine wirklich gute und wertschätzende Unterhaltung zustande, die geprägt war von tiefer Enttäuschung, die sich irgendwie wohl Luft schaffen wollte. Mit Empathie und Einfühlungsvermögen konnten wichtige Schritte gegangen werden. Nämlich dann, wenn man genau auf den Einzelfall schaut. Sich nicht eine unumstößliche Meinung schafft, indem man alles in einen Topf wird und 3x umrührt. Und wenn man mit offenem Herzen durch die Gegend rennt.

Wenn du noch mehr von mir lesen willst, dann darfst du dich gerne hier eintragen: https://pflegekinder-life.de/ich-erinnere-dich-daran/

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