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Warum bin ich Psychologin geworden?

Wann und wo bin ich denn auf die Idee gekommen, Psychologin zu werden und „etwas mit Pflegekindern“ machen zu wollen?

Tja, das weiß ich immer noch sehr genau. Ich war 10 Jahre alt. 10 Jahre – und ich wohnte bei meinen Großeltern. Warum? Weil meine Mutter beschlossen hatte, dass sie kein Kind bei sich haben kann, wenn sie arbeitet. Geht nicht. Gar nicht. Also hat sie mich im zarten Alter von 3 Jahren bei ihren Eltern zurück gelassen. Besuchskontakte? Nein. Der Weg war soooo weit. Ich dachte als Kind tatsächlich immer, dass sie Hunderte von Kilometern weit weg wohnt. Dabei waren es vielleicht 30 km Entfernung. Die Ausrede klappte, ich fragte nicht oft nach. Schon alleine deshalb, weil ich ja gar keine Möglichkeit dazu hatte. Sie kam nur sehr selten. Sie rief auch nicht an. Und Geburtstage oder Weihnachten waren auch keine Gründe, um sich mal an die eigene Tochter zu erinnern. Was solch ein Desinteresse in einem Kind auslöst, das ist nur sehr schwer zu erklären. Eigentlich geht das auch gar nicht. Man muss es fühlen. Aber es gibt immer noch ein „Schlimmer“.

Als ich – wie gesagt – 10 Jahre alt war, kam meine Mama vorbei, was ja schon eine Besonderheit war. Aber es ging noch weiter. Sie sagte ganz geheimnisvoll, dass sie mit mir reden müsste und ging mit mir in den ersten Stock. Ein ganz kleiner, winziger Hoffnungsschimmer tauchte auf, ob sie sich besonnen hatte und mich doch zu sich nehmen würde? Nein. Das war es nicht. Sie sagte zu mir: „Ich bin schwanger und bekomme ein Kind, ein Wunschkind!“ Mich haute es fast um und ich konnte gar keinen klaren Gedanken fassen. Alles drehte sich. Und dann hörte ich auch noch die Krönung: „Von dir habe ich ja nichts gehabt!“

Da stand ich dann. Einsam, zurückgelassen, voller Sehnsucht nach einer Mutter, die sich kümmert. Stattdessen wollte sie lieber ein anderes Kind? Und – so fasste ich es damals auf – gab mir noch die Schuld dafür, dass sie von mir „nichts hatte“?

Ich konnte nicht reden. Ich konnte nichts sagen. Ich war zutiefst verletzt.

Und irgendein Teil von mir wusste, dass meine Mutter das wieder nicht hin bekommt. Dass sie einfach keine Verantwortung für so einen kleinen Menschen tragen kann und dass das irgendwann so endet wie bei mir. Aber genau in dieser Zeit fiel mir das Buch „Dibs“ in die Hände. Dibs ist ein kleiner Junge, der verzweifelt und unglücklich ist und bei seiner Therapeutin Selbstvertrauen und Heilung lernt. DAS hat mich absolut fasziniert und es war klar: ich will Psychologin werden und solchen Kindern helfen.

Es dauerte noch ein paar Jahre, bis ich soweit war und mein Diplom in den Händen hielt. Viel wichtiger für MICH war aber, dass ich im Alter von 18 Jahren tatsächlich meinen 7jährigen Bruder als Pflegesohn zu mir nehmen konnte. Das Schicksal geht manchmal seltsame Wege. Es gibt keine Zufälle und manchmal fügt sich alles zu einem Gesamtbild zusammen, mit dem niemand gerechnet hat, weil es eigentlich unmöglich ist.

Denkt immer dran: ihr könnt nicht wissen, was eure Pflegekinder erlebt haben und welche inneren Überzeugungen sie dadurch bekommen haben. Es kann ein einziger Satz sein, der alle anschließenden Wahrnehmungen verändert. Aber Geduld und Liebe helfen dabei, das, was manchmal im Dunklen bleibt, zu verarbeiten.

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