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Mitleiden oder Mitfühlen?

Gabi Schmitt

Mitleiden oder Mitfühlen?

Unsere „besonderen“ Kinder haben oft auch besonders viel mitgemacht, bevor sie zu uns gekommen sind. Aber mit dem Einzug bei uns sind ihre Probleme nicht einfach weg vom Tisch. Die Eingewöhnung, das völlig neue Leben und vor allem die Trennung von ihrer bisherigen Familie kosten viele Tränen und schlaflose Nächte. Besuchskontakte, ausgedehnte Diagnostik und Hilfeplangespräche erinnern sie immer wieder daran, dass bei ihnen etwas anders ist als bei allen anderen Kindern. Es dauert, bis der Alltag eingezogen ist und sich vieles stabilisieren darf. Und genau dann packen die Kinder oft ihr Paket aus, wie man immer so schön sagt. Der Reißverschluss des Rucksacks mit all den schlimmen Erinnerungen, die sie quälen, wird Stück für Stück geöffnet und es ist gar nicht so einfach, mit all den Verletzungen und Enttäuschungen umzugehen.

Aber auch für die Pflegeeltern ergeben sich daraus Probleme, die viel von ihnen abverlangen. Eltern, die selbst in einer liebevollen Familie aufgewachsen sind, können sich oft gar nicht vorstellen, wie schlimm so eine Kindheit sein kann. Bei Eltern mit ähnlichem Hintergrund tauchen dagegen nicht verarbeitete Szenen wieder auf und mühsam verheilte Narben tun plötzlich wieder weh.

Mitleiden oder mitfühlen?

Mitleiden tut dir selbst weh – und ändert nichts an der Situation. Mitleiden heißt hier auch, dass du die Verzweiflung und den Schmerz des Kindes selbst empfindest und du dadurch in eine Negativ-Spirale kommst, in der du handlungsunfähig wirst. Du fühlst dich hilflos, weil du die Vergangenheit ja nicht ändern kannst – und du bist ausgelaugt von all den belastenden Gefühlen. Schlimmstenfalls verstärkst du sogar noch die Gefühle des Kindes, denn es empfindet ja deine hoffnungslose und „leidende“ Energie. Negative Energie kann ansteckend sein und hilft nicht weiter, sondern hält einen im Sumpf gefangen.

Mitgefühl hingegen hat etwas Positives für das Kind: es bringt ihm jemand „gute“ Gefühle entgegen. Nämlich Anteilnahme und Besorgnis. Sich Kümmern und Interesse. Da versteht jemand, was es mitgemacht hat und was es jetzt in dieser aktuellen Situation empfindet. Dadurch kann es heilen: denn Anteilnahme und Verständnis kann vieles wieder an die richtige Stelle rücken, was als Kind nicht oder nicht korrekt verarbeitet werden kann.

Das Kind braucht niemanden, der am Ende neben ihm ebenfalls leidet und ihm damit zeigt, dass solche Gefühle überwältigend sind und andere Leute damit auch nicht fertig werden können. Es braucht jemanden, der zuhört – oft ist das sogar das einzige, was wichtig ist: Empathisches und verstehendes Zuhören. Lösungsvorschläge können Hoffnung wecken und Lethargie beseitigen. Einfühlende Begleitung stärkt den Selbstwert.

Aber vor allem ist das, was mit-fühlende Pflegeeltern tun, nämlich sich Zeit nehmen und einfach DA SEIN schon etwas, was aus sich heraus heilend ist, weil es eine neue Perspektive für die Zukunft aufzeichnet:

Du bist nicht mehr alleine, da ist jemand, der sich kümmert! Du bist wichtig!

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