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Haushalt? Bei mir natürlich immer tipp-topp

Gabi Schmitt

Sonntagmorgendliche Gedanken….. Gerade habe ich beim ersten Kaffee am Morgen in einer Facebookgruppe die Frage gelesen: „Wie sieht euer Haushalt aus, wenn ihr krank seid?“ Die Antworten haben mich teilweise erschreckt. Sehr erschreckt. Denn während ich ein Weltbild habe, in dem alle gleichberechtigt sind und sich gegenseitig unterstützen, gibt es wohl immer noch viele Frauen, die keinerlei Hilfe bekommen (wollen?). Viel zu viele antworteten nämlich sinngemäß mit: „Natürlich tipp-topp. Was muss, das muss. Mein Mann kann das nicht. Er bringt das Toilettenpapier zwar ins Bad, legt es aber nicht dorthin, wo es gehört. Er weiß zwar, wo die Waschmaschine steht, aber natürlich hat er keine Ahnung, dass man hellblau nicht mit mittelblau zusammen waschen kann. Er kauft die falsche Wurst ein und gibt das Kind im falschen Kindergarten ab!“

Ähm…. wenn Männer arbeiten gehen, dann müssen sie manchmal hochkomplexe Maschinen bedienen – wie zum Beispiel ein Auto im Straßenverkehr. Warum sollten sie denn dann vor einer Spülmaschine mit drei Druckknöpfen kapitulieren? Wie schlimm ist es, wenn das Klopapier statt links vom Klo dann mal für zwei Tage undekorativ rechts vom Klo steht? Und was passiert, wenn mal zwei Tage nicht gestaubsaugt und geputzt wird?

Mich entsetzen gleich mehrere Aspekte in diesen Diskussionen. Einmal die Tatsache, wie viele Frauen ihren Männern nicht zutrauen, zwei oder drei Tage den Haushalt zu schmeißen. Ich frage mich, wie so eine Beziehung aussieht. Es geht mir nicht drum, wenn Frauen gerne den Haushalt machen. Das ist doch vollkommen in Ordnung, wenn es jedem damit gut geht. Aber wenn die Frau krank ist, richtig krank, also Magen-Darm-Virus mit 30x Toilette am Tag und zwei Tage keinen Schlaf. Oder Hexenschuss mit nur noch kriechende Fortbewegung. Dann sollte man Hilfe vom Mann annehmen können, auch wenn er manches anders macht. Das ist sein gutes Recht – er ist nämlich auch ein anderer Mensch und kein verlängerter Arm der Putzfee. Davon geht dann die Welt nicht unter – könnte man meinen.

Außerdem frage ich mich, was die Kinder aus diesem Vorleben lernen. Hilfsbereitschaft auf jeden Fall mal nicht und Mitgefühl eher weniger. Klar, eine Dreijährige wird nicht das Mittagessen kochen können. Aber ihre Spielsachen kann sie selbständig wegräumen und auch Teil A zu Ort B bringen, wenn Mama das sagt. Ältere Kinder können natürlich wesentlich mehr helfen und trotzdem macht die Mama alles für sie – wenn sie selbst krank ist? Welches Bild von der Welt, von Frauen und von sich selbst bekommen denn die Kinder? Wollen wir ihnen das denn wirklich so beibringen?

Nicht zuletzt frage ich mich auch, welches Bild von sich selbst die Frauen haben, wenn der Haushalt so viel wichtiger ist als die eigene Gesundheit?

Warum sollte Frau sich denn irgendwie unter Schmerzen aufrappeln, um das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen, das andere genau 10 cm drüber auf der Arbeitsplatte abgestellt haben? Warum hält sie sich mit der einen Hand den gekrümmten Rücken und mit der anderen Hand legt sie eine frische Tischdecke auf? Warum kann die Wäsche nicht einen Tag liegen bleiben, wenn schon niemand fähig ist, alles in die Waschmaschine zu stopfen und den Start-Knopf zu drücken? Warum ist es ihr nicht möglich, einfach auf dem Sofa oder im Bett zu liegen und sich auszukurieren? Welche Gedanken kommen da im Inneren auf, dass man trotz Krankheit alles so haben will als würde es einem ganz prächtig gehen?

Welche Glaubenssätze stecken dahinter?

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