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Bringt „Online“ denn überhaupt was?

Gabi Schmitt

„Ich habe Probleme mit meinem Pflegekind. Wie soll mir denn da ein Onlinekurs oder eine Emailberatung helfen?“

Sehr gute Frage. Denn man steht nur hinter einem Programm, wenn man voll und ganz davon überzeugt ist. Nur dann hat man den Drive und die Motivation, sich da richtig reinzuknien. Und in diesem Fall bedeutet das ja mal (scheinbar) NICHT zu tun. Sehr ungewohnt. Denn eigentlich sind wir ja gewöhnt, immer etwas zu MACHEN. Wie viele von uns sind denn tatsächlich den ganzen Tag am AGIEREN – eine Aufgabe nach der anderen, immer auf dem Sprung und selbst abends auf dem Sofa fliegen die Gedanken auf den innerlichen To-Do-Zettel. Und jetzt kommt da jemand an, dessen Onlinekurse etwas ganz anderes verlangen: Ruhe? Aufmerksamkeit? Hinschauen? Aufnehmen? Spüren? Sacken lassen? Abwarten?

Möööp. Was soll DAS denn? Das kann doch nix werden, oder? Andererseits….. sind wir denn mit dem ganzen TUN weiter gekommen? Haben wir uns durch blinden Aktionismus eine Lösung erstrampelt? Sind wir immer schneller geworden und damit automatisch auch immer besser? Haben wir uns durchgefragt bei Menschen, die das ganz genau so machen und die jetzt den heiligen Gral der Kindererziehung gefunden haben? Prima. Dann haben wir ja gar keine Probleme mehr. Gratuliere!

Oder doch noch Probleme da? Was spricht denn dann dagegen, mal einfach was anderes auszuprobieren? Den Mut und das Vertrauen zu haben? Wenn wir immer das gleiche tun, dann bekommen wir doch auch immer das gleiche Ergebnis, oder? Sagte wohl Einstein oder so. Warum probieren wir dann nicht mal was anderes aus?

Dabei ist es gar nicht so einfach, etwas „nur“ zu beobachten, die eigenen aufkommenden Gefühle auszuhalten, die Gefühle des Kindes zu erkennen und… erst mal nichts zu tun.

Mich erreichte gestern eine Nachricht, die mich so total berührt hat, dass ich Tränen in den Augen hatte. Sie kam von einer hoch engagierten und unermüdlichen Pflegemutter mit einer Großfamilie, die ich seit Jahren per Email beraten darf. Sie schrieb: „Durch dein Wissen und deine Kenntnis und deine Tipps sind jetzt alle wichtigen Leute überzeugt, dass unser Kind ein frühkindliches Trauma hat und wir arbeiten hervorragend damit! Ich habe durch dein Wirken erkannt, was sie braucht und seit Sommer bekommt sie diese Unterstützung. Ohne dich wäre ich wahrscheinlich gar nicht drauf gekommen.“

Onlineberatung soll keine kompetente Beratung vor Ort ersetzen. Aber manchmal klappt das aus irgendeinem Grunde nicht. Man bekommt keine Termine, die Wartezeit ist zu lang, die Anfahrt zu weit, das Kind fasst kein Vertrauen zum Therapeuten oder man findet überhaupt keinen Ansprechpartner. In diesem Fall war es so, dass die Mutter ohne entsprechende Diagnose auch keine fachliche Unterstützung bekam. Manchmal besteht die Lösung nämlich darin, das Problem richtig zu erkennen. Nur wenn man die richtigen Fragen stellt, erhält man auch die richten Antworten. Und nur dann kann das Kind die Unterstützung vor Ort bekommen, die es wirklich braucht. Wunderbar, wenn man so auf seinem Weg ein ganzes Stück weiterkommt.

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