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Eine neue, achtsame Sichtweise

Gabi Schmitt

Was ist denn der Unterschied zwischen der „bisherigen“ Sichtweise und der Sichtweise, die sich ganz aus einer tiefen Intuition ergibt?

 

Ein Beispiel, das mir vor ein paar Tagen wieder ganz besonders aufgefallen ist.

Kind, 3 Jahre, ist schon den ganzen Tag leicht aufgedreht. Sie ist etwas lauter als sonst, etwas hektischer als sonst, etwas verjammerter als sonst und es zehrt schon an den Nerven. Das hier passt ihr nicht und dieses auch nicht und jenes schon mal gar nicht. Es muss der rote Becher sein und keinesfalls der gelbe. Der Teller mit den Einhörnern und nicht der mit den Hunden. Das T-Shirt mit dem Zebra und nicht das mit dem Lama. Ich denke, solche Tage oder Stunden kennt jeder. Das Motto lautet „Ich will nicht“, „Ich kann das besser“ und „Ich bin aus Prinzip gegen alles“.

 

Endlich ist Abendzeit und das Zähneputzen klappt schon nicht so besonders gut. Trotzköpfchen möchte ganz alleine den Mund ausspülen, zieht zu heftig am Zahnputzbecher und kippt sich das Wasser über den frisch angezogenen Schlafanzug. Sie erstarrt und bewegt sich nicht mehr. Sekunden.

 

Erster Impuls: So ein Mist. Jetzt kann ich sie noch mal umziehen. Und es ist doch schon so spät. Alles nur, weil sie heute abend so trotzig ist und nicht machen kann, was man ihr sagt. Muss sie denn an allem so rumziehen? Das war doch klar, dass das passiert. Nie kann dieses Kind einfach mal darauf hören, was man ihm sagt ….

 

 

Zweiter Impuls, nachdem man das Kind angeschaut und offen darauf geachtet hat, was es gerade fühlen könnte: So ein Mist. Sie hat das Gefühl, dass sie das nicht kann. Sie hat sich solch eine Mühe gegeben, alles alleine zu machen, weil sie ja schon so groß ist. Und nun ist sie frustriert, weil sie denkt, dass sie immer noch klein ist und nichts richtig macht. Ständig sagt doch jemand zur großen Schwester, dass diese schon so groß ist. Sie selbst ist immer die Kleine. Jetzt wollte sie beweisen, wie groß sie schon ist und was sie schon alles alleine machen kann. Das muss ganz schön frustrierend sein. Das ist ja wirklich schade, dass das jetzt passiert ist.

 

 

Welch ein Unterschied. Spürst du, wie sich deine eigene Energie aufgrund deiner Gedanken total verändert? Im ersten Szenario hast du ganz schön viele Bewertungen drin, wie ein Kind zu sein hat. Es schwingt viel von deinem eigenen stressigen Tag mit und von deinem Wunsch, endlich mit allem fertig zu sein und Feierabend machen zu können. Im zweiten Szenario hast du den Blick weg von deinem eigenen Kram und hin zum Kind gerichtet. Sehr achtsam und sehr einfühlsam. Und du siehst plötzlich etwas ganz anderes. Vom Trotz, den du im ersten Fall unterstellt hast, hin zu der Enttäuschung des Kindes, die du mit-fühlen kannst. Du nimmst das Kind anders wahr und vor allem kannst du sie nun trösten – statt mit Motzen noch alles viel schlimmer zu machen. Weil du verstehst, wie ihr zumute ist. Es geht ganz einfach….. du hast nur die Info gebraucht und ein paar Sekunden lang die volle Aufmerksamkeit deines Herzens.

 

 

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