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Die Unsicherheit der Pflegemütter

Gabi Schmitt

Was mir immer wieder – und oft auch noch gleich zu Anfang eines Kontaktes – begegnet, ist die Unsicherheit von manchen Pflegemüttern. Ich kann jetzt schon sagen, dass das in meinen Augen die richtig, richtig guten Pflegemütter sind. Warum? Weil es genau die Mütter sind, die sich und ihr Verhalten reflektieren. Von außen aus betrachtet (also aus meiner Sicht) tut es mir manchmal innerlich richtig weh. Die Pflegemütter, die fremde Kinder aufnehmen, die in höchster Not sind und sich ganz verzweifelt gegen all das Neue wehren, die sind unsicher, ob sie das Richtige tun? Die Mütter, die ihr ganzes Leben zumindest zeitweise opfern, weil sie Kinder versorgen, die sich ganz und gar nicht an ein „normales“ Leben anpassen können? Die Mütter, die sich doofe Bemerkungen und Kritik von Nichtwissenden anhören müssen, weil sie gerade keine zwei Hände frei haben, um sich die Ohren zuzuhalten?

Leider wissen genau die Mütter, die so Großartiges leisten, nicht mal annähernd, wie wertvoll ihr Beitrag für diese Welt ist. Was sie an diesen kleinen Kindern Gutes tun, das wird nicht nur das Leben der Kinder, sondern auch das ihrer Nachkommen verändern. Auch wenn es „nur“ Bereitschaftspflege ist, also eine verhältnismäßig kurze Zeit (hoffentlich). Oder gerade dann? Sie nehmen ein Kind auf, das völlig verzweifelt ist und mit allem, was es hat und kann, gegen diesen Zustand – also gegen die Trennung von seiner Familie – protestiert. Sie halten dieses Kind, sie lassen es toben, sie geben ihm Wärme und Unterstützung. Und wenn alle anderen sich abwenden, dann sind sie da. Was kann man bitteschön noch mehr machen?

Woher kommt diese Unsicherheit?

Es gibt in dieser ganzen Pflegekinder-Sache kein Richtig und kein Falsch. Für das eine Kind kann eine strenge Tagesstruktur wahre Wunder bewirken. Für ein anderes Kind kann es aber die total Überforderung bedeuten. Ein Kind braucht am Tisch eine Vielzahl an Lebensmitteln, um überhaupt etwas zu sich nehmen zu können. Während man einem anderen Kind rigoros alles Süße und alle Fertiggerichte vom Speiseplan streichen sollte. Während ein Kind den ganzen Tag kuscheln möchte, kann das nächste Kind keine einzige Berührung ertragen. Niemals gibt es feste Regeln, was man bei welchem Kind machen soll. Es ist ein ewiges Ausprobieren – oft von keinem nennenswerten Erfolg gekrönt. Man will so viel verändern in dieser kleinen Welt – und kommt oft nicht über das Stiefelanziehen am Morgen hinaus, ohne die Geduld zu verlieren. Man will dem Kind so viel zeigen – und hängt auf dem Weg zum Kindergarten an einem Blümchen fest, während der Chef und die Kollegen warten. Man will dem Kind mit dem Sportverein etwas Gutes tun – und sieht dem Kind das Desinteresse am Gesicht an.

Leider gibt es auch wenig Menschen, die einfach mal sagen: „Hey, du machst das so toll. Guck mal, was du schon alles erreicht hast. Wie weit bist du gekommen, da hätte doch anfangs niemand mit gerechnet!“ Stattdessen wird der Blick immer auf die Problemfelder gerichtet. Was kann das Kind noch nicht? Wo explodiert es geradezu? Wer hat sich schon wieder über den dauernden Lärm beschwert?“ Dafür ist die Besserwisser-Fraktion in der Überzahl, die „es ja immer schon gesagt haben“ und die sehr gerne mit „bei unseren Kindern (= leibliche Kindern ohne jegliches Trauma behütet und umtütelt aufgewachsen) hat das ja immer gut geklappt“-Ratschlägen um sich werfen. Mit diesem bedeutsamen Blick „Irgendwas musst du da ja wohl falsch machen!“……

Auch die Jugendamtmitarbeiter sind oft arbeitsmäßig so überlastet, dass sie bestenfalls Zeit für die allerschlimmsten Baustellen haben. Lob oder Unterstützung ist da nicht immer gegeben. Ich kann sagen, dass wir hier ein ganz tolles Jugendamt haben mit Mitarbeitern, die sich viel Zeit für Pflegeeltern UND Kinder nehmen. Da wird auch mit Lob nicht gespart und immer gefragt, ob und welche Hilfe man noch braucht. Leider ist das aber nicht der Regelfall. Konflikte mit den Leiblichen Eltern bzw mit dem ganzen Kontext der Inobhutnahme bringen dann schnellstens mal wieder ordentlich Chaos rein, falls es irgendwann mal zufällig etwas ruhiger sein sollte.

Und nun? Tipps? Unterstützung? Wertschätzung?

Gerne von mir immer auf allen meinen Seiten. Ich finde es absolut bewundernswert, was manche Familien hier leisten. Auch wenn ich oft von Pflegemüttern schreibe, sind Pflegeväter natürlich immer auch mit gemeint. Manchmal hilft es aber auch, sich tatsächlich mal aufzuschreiben, was man da so leistet. Was machst du alles? Wem hast du damit schon geholfen? Bitte auch die Kinder nicht vergessen, die immer mal wieder reinschauen, weil die eigenen Eltern keine Zeit haben. Oder die am Wochenende etwas Nestwärme tanken. Oft sind nämlich genau das die Familien, in denen reges Treiben herrscht. Wo hast du den Weg geebnet für einen guten Übergang? Wer profitiert von deinen Anstrengungen? Wem geht es ein kleines bisschen besser, weil DU auf dieser Welt bist? Klopf dir selbst lange und ausgiebig auf die Schulter, wenn es schon sonst niemand macht. Du bringst so viel Gutes in die Welt durch dein Sein!

Und ganz, ganz wichtig: die Probleme des Kindes sind viel früher entstanden. In der Familie vorher. Nicht erst jetzt. Sie müssen angegangen werden, aber das braucht seine Zeit. Jedes Kind ist anders. Verlorenes Urvertrauen ist nicht einfach so wieder herzustellen.

Oft wird auch in viel zu kurzer Zeit viel zu viel Veränderung erwartet. Das Kind ist noch im Eingewöhnungsprozess und schon soll sich sein Verhalten „bessern“, die Probleme verschwinden und große Fortschritte sichtbar werden. Das kann gar nicht funktionieren.

Wie wäre es, wenn du dir das alles an jedem einzelnen Tag morgens klar machen würdest? Wenn du jeden Morgen zuerst mal darüber nachdenkst, was du Tag für Tag für Tag für Tag leistest? Wie viel wirklich harte körperliche Arbeit dabei ist? Wie viel Geduld und Selbstbeherrschung es dich kostet? Wie viele verschiedene Gefühle im Spiel sind, die alle miteinander zuerst mal verkraftet werden müssen? Und wie viel Liebe gibst du hinaus in diese Welt? Mach es dir bewusst – und feier dich dafür.

WenWenn du nicht nur dir, sondern auch deinen Kindern Wertschätzung entgegenbringen möchtest, dann schau dir doch mal meine Affirmationen für Pflegekinder an. Du bekommst sie als Geschenk von mir:

Beitragsbild von PublicDomainPictures auf Pixabay 

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