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Strukturen und Rituale bewusst leben

Gabi Schmitt

Strukturen und Rituale bewusst leben

Wiederholungen, Rituale und Rückblicke – warum ich das alles so wichtig finde…..

 

Gerade bei vernachlässigten Kindern fehlte es oft an Struktur im Tagesablauf. Vom Bett direkt in den Kindergarten, ohne Frühstück oder liebe Worte am frühen Morgen. Stundenlanges Abschieben ins Kinderzimmer mit der Erwartung, dass das Kind sich dort möglichst ruhig selbst beschäftigt und nicht stört. Einschlafen dann, wenn die Müdigkeit das Kind überfällt und egal, ob es nun noch die Straßenkleider trägt oder die Zähne geputzt sind. Liebevoll geht anders.

Leider wissen wir meistens nicht, was unsere Kinder erlebt haben. Deshalb ist es so wichtig, dem „neuen“ Leben bei den Pflegeeltern eine Struktur zu geben. Das hilft dem Kind dabei, seinen Platz im Leben zu finden und eine gewisse Sicherheit zu entwickeln. Eine Struktur sollte immer so fest sein, dass sie einen Halt gibt, aber auch so flexibel, dass ungewohnte Situationen irgendwann kein Problem mehr darstellen.

Manche Strukturen entwickeln sich von ganz alleine aus dem Gegebenen, zum Beispiel aus dem natürlichen Lebensablauf der Familie. Gemeinsame Abendessen mit Erzählungen der einzelnen Familienmitglieder oder das große Frühstück am Sonntag. Der Besuch von Oma am Samstag oder die Reitstunde am Donnerstag. Familieneinkauf am Montag oder die ausgiebige Hunderunde am Wochenende. Es ist nicht ein Tag wie der andere im permanenten Ablauf, bei dem das Kind gar nicht mehr spürt, wo es sich gerade befindet. Sondern eine gewisse Einteilung innerhalb des Tages, innerhalb der Woche, der Monate oder der Jahreszeiten. Gerade bei Kindern mit ADHS, FAS oder Hochsensibilität hilft es, diese Punkte auch sehr bewusst zu machen. 

Es gibt viele Kinderbücher zu diesen Themen, aber man kann sich auch ganz leicht selbst etwas zusammenstellen. Das hat den Vorteil, dass man sich auf die eigenen, individuellen Familienpunkte konzentrieren kann und das Kind selbst mitgestaltet – denn vielleicht findet es etwas ganz anderes wichtig als die Eltern. 

Das muss alles weder besonders schön noch besonders ausgefallen sein. Einfaches weißes Druckerpapier mit Fotos oder gemalten Bildern, das anschließend in einen Ordner geheftet wird, reicht vollkommen aus. Ich selbst liebe Fotobücher, die sich mittlerweile auch preisgünstig zusammen stellen lassen. Wie beginnt bei uns der Tag? Was machen wir nach dem Aufstehen? Wie verbringen die einzelnen Familienmitglieder ihren Tag? Was machen wir abends vor dem Einschlafen? Was unterscheidet den normalen Werktag vom Wochenende? Und was den Sommer vom Herbst? Man kann auch zum Geburtstag, zum Jahresende oder zum „Einzugstag“ ein spezielles Fotobuch von diesem Jahr zusammen stellen. Es gibt so viele Ideen und Möglichkeiten.

Ich selbst handhabe es so: bei uns gibt es „Familienfotobücher“, in denen ein gewisser Zeitraum mit den wichtigen Ereignissen der ganzen Familie festgehalten wird. Zusätzlich haben alle Kinder ein extra Fotobuch, in dem von ihren Babyfotos bis zu den aktuellen Fotos ihre Entwicklung festgehalten wird. Zu speziellen Ereignissen gibt es dann dünnere Fotoalben, die ich oft auch doppelt anfertigen lasse. Eins war für die Kinder und eins für mich, so dass ich immer ein Exemplar hatte, das nicht geknickt oder angemalt oder zerrissen war. 

Für die Kleinen gab es auch einfache DIN A4 – Blätter, auf die wir Fotos (damals wurden Fotos noch entwickelt 🙂 ) klebten, die eine Bedeutung für das Kind hatten. Sie konnten Bilder malen oder mich etwas dazu schreiben lassen. Mich erstaunte oft, was ihnen wichtig war – ich hätte eine ganz andere Auswahl getroffen. Anschließend kam das Blatt in eine normale, abwaschbare Hülle und wurde in einen Ordner geheftet. Ganz wichtig: diese Ordner lagen im Kinderzimmer, so dass sie jederzeit genutzt werden konnten. Denn das sollte es ja sein: etwas, das von den Kindern genutzt wird, auch wenn das Eselsohren, Flecken und Risse bedeutet. Man kann auf diese Art und Weise „Bilderbücher“ zum Sprechen lernen für die ganz Kleinen gestalten oder später auch zum Lesen lernen. 

Ganz wichtig ist dabei auch die gemeinsam verbrachte Zeit. Qualitätszeit, wie sie ja immer genannt wird. Zeit, in denen die Eltern die äußeren Vorgaben machen (wann und wie oft nehmen wir uns die Zeit und was machen wir?), aber das Kind den Inhalt bestimmen kann (was ist mir wichtig und was nicht?). Diese Zeit soll beiden Spaß machen. Wenn das Kind keine Lust hat oder die Eltern mit ihren Gedanken woanders sind, dann ist „Weniger“ einfach „Mehr“. Mit diesen Büchern oder Heften sollen ja auch regelmäßig in die Hand genommen werden. Denn mit einem klaren „Damals“ fördern wir die Achtsamkeit im „Hier und Jetzt“. Die Abgrenzung von „Früher“ zu „Heute“ ist wichtig, um alte Themen verarbeiten (und hoffentlich auch abschließen) zu können. Auch wenn alles spielerisch ist, so hat es doch einen Hintergrund, der wirkt. 

Deshalb hatte ich auch die Idee zu „Miss Amy´s Affirmationskarten“. Falls es dich interessiert, du findest alle Informationen hier: 

Positive Affirmationen für (Pflege-)Kinder.



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