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Verzettel dich nicht

Gabi Schmitt

„Verzettel dich nicht“ – ein guter Ratschlag. So einfach, aber gleichzeitig auch so schwer zu befolgen. Weil….. es steckt ja immer etwas dahinter, wenn du das tust, was du tust. Die Welt wäre viel zu einfach, wenn man ein Problem erkennen und damit auch sofort lösen könnte.

Verzettel dich nicht – das heißt ja zuerst mal: Behalte den Fokus. Überlege dir, was du wirklich willst, wo deine Prioritäten liegen, und dann zieh das durch. Lass dich nicht abhalten. Tu es einfach. Geh los für dein Ziel.

Und was kommt dann gerne dazwischen? Richtig, das Leben. Wir halten uns auf mit Tätigkeiten, die wir – rational betrachtet – gar nicht als so wichtig einstufen würden, dass wir ihnen gestatten dürften, uns von unserem Lebensziel abzuhalten. WENN wir überlegen würden – und nicht in automatisiertes Handeln verfallen würden.

Sagen wir mal, dein Ziel ist es, die bestmögliche Pflegemutter für dein Pflegekind zu sein. Du willst ihm ermöglichen, von erlittenen Verletzungen zu heilen, Urvertrauen zurück zu gewinnen und einen neuen Lebensweg einzuschlagen. Merkst du, wie groß diese Ziele sind? Nimm dir jetzt wirklich mal die Zeit, diese Erkenntnis in dir ankommen zu lassen.

Fertig? Wetten, dass bis zu 90% aller Leser sich jetzt keine Zeit genommen haben?

Okay, weiter. Wenn du dir jetzt mal Zeit nehmen WÜRDEST, darüber nachzudenken, wie wichtig und „groß“artig deine Ziele sind, würdest du mir dann zustimmen, dass so eine große Aufgabe auf jeden Fall eine ausgeglichene, entspannte, in sich ruhende Pflegemutter benötigt? Ja?

Super. Ich sehe, du kannst mir folgen. Wie wird man denn ausgeglichen, entspannt und in sich ruhend? Nun wirst du sagen: indem man sich etwas Gutes tut, Zeit für sich selbst nimmt, Ruhe genießt, im Tagesablauf immer wieder entspannt…. Oder du wirst sogar ganz detailliert: Meditation, Massage, Waldspaziergang, regelmäßige Auszeiten, Mittagsschlaf…. Prima.

Und nun gehe gedanklich mit mir mit: du sitzt auf deinem Sofa. Du hast dir eine schöne Tasse Kaffee oder Tee gemacht. Du legst die Füsse hoch und möchtest mal kurz bei dir ankommen. Einfach nur sein. Du lässt den Blick schweifen……Was passiert?

Ja, was passiert denn? Entspannst du dich? Genießt du den ruhigen Moment? Fällt der ganze Druck von dir ab?

Oder….. siehst du die Sonne durch die schmutzigen Fenster scheinen? Fällt dir auf, dass in der Ecke ganz viele Wollmäuse leben? Hängt das große Familienbild an der Wand schief? Stören dich die zwei benutzten Kaffeetassen auf der Küchenablage? Schnappst du dir einen Zettel, weil dir gerade jetzt eingefallen ist, was du noch alles besorgen musst?

Springst du jetzt auf und rückst auf dem Weg zum Staubsauger schnell das Foto wieder gerade? Machst du dir Fensterputz-Wasser und stellst dabei schnell noch das Geschirr in die Spülmaschine? Schreibst du deine Einkaufsliste und sprintest sofort in den nächsten Supermarkt, damit das endlich erledigt ist?

So oft heißt es: „Ich kann mich gar nicht entspannen, wenn nicht alles um mich herum aufgeräumt ist und alle Aufgaben erledigt sind!“ Aber wann ist denn wirklich keine Arbeit mehr da? Es gibt doch immer irgendwas zu tun. Also entspannst du… nie? Wie passt das denn zu deinem großen Ziel?

Wenn du merkst, dass du ständig überfordert bist und deine Nerven blank liegen, während du genau das beschriebene Verhalten zeigst: nimm es nicht als gegeben an. Sag nicht einfach „Ich bin halt so!“ oder „Ich kann das halt nicht!“. Mach dir Gedanken, was genau du da nicht aushalten kannst. Die Ruhe? Warum nicht? Was geht dir durch den Kopf? Welche Glaubenssätze sind da so hartnäckig? Hinterfrage sie. Sind sie wirklich immer und bei jedem Menschen wahr? Erwartest du Vorwürfe, wenn nicht alles um dich herum picobello sauber ist? Wie war das in deiner Kindheit? Warum fühlst du dich so unwohl, wenn irgendeine Aufgabe nicht erledigt ist? Wer stellt dir denn diese Aufgaben überhaupt? Wie wertvoll bist du, wenn du nicht perfekt bist?

Diese Fragen bringen dich weiter – das frisch geputzte Fenster nicht.

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2 Antworten

  1. Ramona sagt:

    Wunderbare Gedanken u so wahr. So leicht zu verstehen u so schwer umzusetzen. Genau hinsehen erfordert Zeit u die Offenheit hinzusehen. In sich. Aber lohnenswert.

    Danke für den Denkanstoß.

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