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Schnellere Entscheidungen für das Kindeswohl

Gabi Schmitt

Kinder, die plötzlich aus ihrer leiblichen Familie rausgeholt werden müssen, weil es massive Probleme gibt, kommen zuerst mal in eine Bereitschaftspflegefamilie. Dort sollen sie vorübergehend und kurzfristig bleiben, bis die weitere Perspektive geklärt ist. Dazu sammelt das Jugendamt Informationen. Was ist in der Familie überhaupt los? Welche Faktoren haben zur Herausnahme des Kindes geführt? Wie geht es dem Kind? Manche Fragen benötigen weitergehende, langwierige Untersuchungen wie die Überprüfung der Erziehungsfähigkeit der Eltern und mögliche Diagnosen der Kinder. Die Meinung von Kindergarten und/oder Schule wird eingeholt, der Kinderarzt wird befragt, die Bereitschaftsfamilie gibt ihre erste Einschätzung ab.

Was passiert in dieser Zeit? Das Kind lebt in einer „neuen“ Familie mit Mama und Papa. Eventuell sind Geschwister da. Oma und Opa. Es geht in den Kindergarten oder in die Schule. Findet Freunde. Knüpft Beziehungen. Spielt im örtlichen Fußballverein mit. Es feiert Geburtstage, Weihnachten und fährt in den Familienurlaub mit. Vielleicht genießt es das erste Mal in seinem jungen Leben Fürsorge und Aufmerksamkeit. Alles ist anders als vorher und daran muss es sich ganz langsam gewöhnen.

Bindung: Je länger das Kind in der Bereitschaftspflegefamilie ist, desto fester bindet es sich. Gerade ein Kind, das in seiner Ursprungsfamilie Eltern hatte, die es vernachlässigt oder missbraucht haben bzw emotional nicht verfügbar waren, klammert sich an die Menschen, die jetzt seine kleine Welt bedeuten. Wo es Sicherheit und Geborgenheit erlebt. Und dann…. entscheidet es sich, wie es weitergeht. Das Kind kann zurück zu seinen leiblichen Eltern, eventuell mit Hilfestellung und Auflagen, oder es kommt in eine Dauerpflegefamilie. Das heißt zuerst einmal: erneuter Bindungsabbruch, Trennung von der lieb gewonnenen Familie und dem gesamten neuen Umfeld. Auch wenn der Übergang (hoffentlich) möglichst schonend gestaltet wird, ist die Situation gerade für vorbelastete Kinder sehr schwierig. Es muss Abschied genommen und getrauert werden. Und es muss gleichzeitig in der neuen Situation ankommen.

Deshalb ist es so wichtig, dass Bereitschaftspflege auch wirklich vorübergehend und kurzfristig ist und bleibt. Je länger das Kind in seiner neuen Umgebung ist, desto tiefer bindet es sich und desto schlimmer wird der Abschied. Natürlich ist jeder Fall anders und selbstverständlich muss alles ganz sorgfältig überprüft werden. Aber eine Trennung von der Bereitschaftsfamilie nach über einem Jahr darf keine Normalität darstellen. Es ist ein himmelgroßer Unterschied im Erleben, ob das Kind ein paar Wochen oder ein paar Monate bleibt. Es steht dort nicht in Warteposition auf dem Abstellgleis, bis der nächste Zug zum Einsteigen kommt. Es lebt in einer Familie – und es wird zum Teil dieser Familie.

Um schnelle und trotzdem dem Kindeswohl dienende Entscheidungen treffen zu können, braucht es Richter, die die Zeit haben, sich für das Kind zu interessieren, und nicht Fallnummern in Höchstgeschwindigkeit abarbeiten. Das Jugendamt ist chronisch unterbesetzt und wenn man hört, für wie viele „Fälle“ ein einzelner Mitarbeiter zuständig ist, dann wundert man sich nicht mehr, warum die Wege sehr, sehr langwierig sind. Das muss sich ändern. Wir brauchen MEHR Mitarbeiter beim Jugendamt und MEHR Richter. Damit sich die zuständigen Personen intensiver mit den Kindern beschäftigen und schnellere Entscheidungen treffen können. Zum Wohle des Kindes.

Deshalb unterstütze ich aus ganzem Herzen die Petition von Tabea Pioch. Hier könnt ihr hören, was sie euch zu sagen hat: Video Tabea Pioch.

Hier findet ihr die Petition: Petition

Jede Unterschrift zählt. Es ist ganz einfach und geht bequem online am PC oder am Smartphone.

2 Antworten

  1. Anita Jacobi-Werel sagt:

    Finde es für alle Beteiligten ganz schrecklich, wenn das Kind wie eine Schachfigur hin und her geschoben wirdSpreche als ehemaliges Pflegekind❣️

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