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Intuition im Umgang mit Kindern

Gabi Schmitt

Intuition oder „Schau deinem Kind ins Gesicht!“

Ich liebe intuitives Vorgehen. Generell und überhaupt. Aber besonders in der Kindererziehung. Nicht dieses „Erziehen aus dem Verstand heraus“: das Kind MUSS um 19.30 Uhr abends im Bett liegen und schlafen. Sonst ist es GARANTIERT morgen früh grantig, weil es nicht ausgeschlafen ist. Also MÜSSEN wir schon um 19 Uhr damit beginnen, die Zähne zu putzen und den Schlafanzug anzuziehen. Es ist so UNENDLICH NERVEND, dass all das jeden Abend so quälend langsam vonstatten geht und dass das Kind noch so lange schreit und brüllt und weint. Immer wieder aufsteht und sich gegen Bett und Schlaf wehrt. Und kein Ende in Sicht.

Ja, tatsächlich ist das Abendgeschrei nervend. ABER: es ist für Eltern UND Kind nervend. Denn das Kind fühlt sich dabei nicht wohl, glaube mir. Es gibt irgendeinen Grund, warum es nicht ins Bett will. Vielleicht ist es noch total aufgedreht von all den Ereignissen an diesem langen Tag. Vielleicht kann es diesen Tag noch nicht in Ruhe verabschieden. Vielleicht hat es Angst vor der Dunkelheit. Vielleicht möchte es nicht getrennt vom Rest der Familie sein und fühlt sich total einsam und verlassen – genau dieses Gefühl kennt es vielleicht auch schon von früher, weil es tatsächlich physisch alleine gelassen wurde, weil es früheren Trennungsschmerz noch nicht verarbeiten konnte oder weil es damals psychisch alleine war. Im Endeffekt:

Wir wissen es nicht!

Was wir aber wissen ist, wie es NICHT funktioniert. All das, was wir ausprobiert haben und was nicht geklappt hat, können wir einfach weglassen. Vor allem das, womit es dem Kind im Endeffekt noch schlechter gegangen ist. Ja, ein Kind, das wir einfach in seinem Bettchen weinen lassen, weil es nun mal jetzt die Uhrzeit zum Schlafen ist, wird irgendwann ruhig sein. Aber es ist nicht ruhig, weil es eingesehen hat, dass es jetzt schlafen muss. Sondern es ist ruhig, weil es total erschöpft ist und aufgegeben hat. Weil es kapiert hat, dass seine Ängste niemanden interessieren und dass es selbst nichts an der Situation ändern kann. Was das für Auswirkungen auf Selbstwirksamkeit, Selbstwert und Selbstvertrauen hat, muss ich wahrscheinlich nicht weiter ausführen.

Mein Lieblingsspruch seit Jahren ist:

„Schau deinem Kind ins Gesicht“.

Um in einem Kindergesicht lesen zu können, brauchst du kein Profiling- und kein Mimikresonanz-Training. Das kann jeder. Einfach aus der Intuition heraus, aus dem Bauchgefühl, dem Unbewussten, dem Inneren oder wie auch immer du es nennen willst. Die meisten Erwachsenen sind aber leider in ihrem eigenen Bullshit gefangen: „Das Kind kann doch jetzt echt mal ruhig sein! Immer wieder der gleiche Aufstand! Ich bin müde und will selbst meine Ruhe haben! Wann hört es denn endlich auf mit dem Theater?“ Fakt ist aber, dass du den Weg nicht abkürzen kannst und all diese negative Energie das Kind nicht zum Einschlafen bringt – sie putscht eher noch auf und bewirkt das Gegenteil.

Was passiert, wenn man dem Kind ins Gesicht schaut? Einfach mal genau hinsieht, ohne zu bewerten. Nur erkunden, was da passiert. Was siehst du wirklich, wenn du mal ganz bewusst und achtsam hinschaust?

Mir geht es oft so, dass ich DENKE, dass das Kind vor mir wütend ist. Und wenn ich hinFÜHLE, dann merke ich, dass es voller Angst steckt. Und was ändert das dann in MEINEM Empfinden? Alles. Bei einem wütenden Kind kann es durchaus sein, dass ich auch wütend werde oder ungeduldig. Bei einem ängstlichen Kind hingegen habe ich den Impuls, es zu beruhigen und zu trösten. Alles wird gut! Was für ein Riesenunterschied!

Nun, manche denken, das macht doch jetzt keinen Unterschied, weil man immer noch nicht weiß, wie man das Kind zum Schlafen bewegen kann. Ja, das stimmt. Aber es macht einen Unterschied im Empfinden – von Kind und Erwachsenem. Wenn man weiß, dass das Kind nur Trost und Schutz vor all seinen Ängsten braucht, dann bleibt man viel lieber noch eine halbe Stunde am Bett sitzen und hält ihm die Hand. Oder man findet die richtigen Worte, um dem Kind Sicherheit und Vertrauen zu geben. Manchmal ist das Kind auch einfach noch nicht so weit und braucht einfach noch ein paar Monate.

Was auch oft passiert: wenn der Druck aus der Situation raus genommen wird, der vorher alles überlagert hat, kommt man plötzlich auf Ideen, die einem vorher nicht eingefallen sind. Vielleicht möchte das Kind lieber in einem anderen Zimmer schlafen oder man entscheidet sich für diese wundervollen Familienbetten mit 2,40 Euro Breite. Manchmal ist es magisch, wie die Lösung dann plötzlich erscheint.

Natürlich war die abendliche Zubettgeh-Situation jetzt nur ein Beispiel und man kann dieses intuitive Verstehen auch auf andere Problemfelder wie Essen oder Hausaufgaben übertragen. Versucht es mal – ich freue mich auf Kommentare und Erfahrungsberichte. Dazu gibt es auf dieser Seite ganz unten ein Feld.

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