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Die Energie der Worte

Gabi Schmitt

Die Energie der Worte

Vor ein paar Tagen hatte ich wieder ein laaaaanges Gespräch mit einer Pflegemutter über die kleinen und großen Probleme in ihrem Alltag. Vieles davon konnte ich anschließend in einem einzigen Satz zusammenfassen: heftigste Reaktionen des Kindes nach Kontakt mit der Leiblichen Mutter.

Diese Gespräche hatten wir schon öfters und was hatte sich verändert? Nix. Warum nicht? Weil die Pflegemutter keine unserer gemeinsam erarbeiteten Ideen in die Realität umgesetzt hatte. Aber warum denn nicht, wenn die ganze Familie unter der aktuellen Situation litt? Weil sie sich gar nicht so richtig getraut hatte, beim Jugendamt etwas zu sagen und eine Verbesserung der aktuellen Kontakt-Situation zu fordern. Eher halbherzig hatte sie die Probleme dort angesprochen, mit leiser Stimme und tausend Fragezeichen im Gesicht. Mit dem Ergebnis, dass sich an den Abmachungen leider nichts änderte. Es könnte sein, dass die Sachbearbeiterin für so ein paar kleinere Anmerkungen, dass es vielleicht nicht ganz so optimal läuft, kein Fass aufmachen wollte und deshalb keinen Stress mit der leiblichen Mutter in Kauf nahm. DAS ist jetzt aber reine Spekulation von mir – aber doch einigermaßen wahrscheinlich. Das Problem wurde unwichtig gemacht und deswegen nicht „gehört“.

Was ist passiert? Nein, es lag nicht am mangelnden Interesse der Sachbearbeiterin. Menschen können nur aufgrund der Fakten, die sie haben, urteilen und Entscheidungen treffen. Wo bekommt eine Sachbearbeiterin die Fakten her? Von den Pflegeeltern. Wenn diese aber ein Problem, das sie ständig und ununterbrochen beschäftigt, nur quasi „nebenbei“ mal erwähnen, dann wird die Sachbearbeiterin das Problem auch als nebensächlich empfinden. Wie viel anders wäre denn die Energie, wenn die Pflegeeltern mehrmals einen Termin verlangen, bei dem sie mit selbstsicherer Stimme betonen würden, welch schlimme Konsequenzen die aktuelle Abmachung im Alltag für das Pflegekind hat, und eine Änderung wünschen? Wenn sie immer wieder davon anfangen würden, weil es für sie absolute Priorität hat, dass sich für das Kind etwas ändert? Wenn sie – quasi als Beleg – nach jedem Kontakt aufschreiben würden, wie das Kind reagiert und welche negativen Folgen das alles dann zum Beispiel für den nächsten Schultag hat? Vielleicht könnte sogar die Lehrerin bestätigen, dass das Kind dann unaufmerksam im Unterricht ist oder quengelig oder müde, weil es in der Nacht nicht schlafen konnte. Wäre es denn wahrscheinlicher, dass sich was ändert, wenn die Sachbearbeiterin immer möglichst zeitnah eine Email im Postfach hätte oder einen Anruf mit der Bitte um Handlung? Ich denke schon.

Der Unterschied zwischen beiden Beispielen ist die Energie, die dahinter steckt. Und warum ist diese Energie manchmal so schwach, dass sie gar nicht beim Gegenüber ankommt? Weil es vorkommt, dass Pflegeeltern sich gar nicht als Experten für ihr Pflegekind wahrnehmen. Aber das sind sie. Wer auch sonst? Ja, die Sachbearbeiter vom Jugendamt und die Psychologen und die Ärzte sind Fachleute. Aber das sind sie nur in ihrem eigenen Fachbereich. Sie sind Experten für IHR Thema. Aber für DEIN Pflegekind bist DU die Expertin. DU nimmst die Stimmungen auf, bekommst die Ausraster mit und spürst die Verzweiflung, die dahinter steckt. DU kennst dein Kind am besten und weißt, wann es müde ist, total erledigt und hoffnungslos überfordert. Das ist kein Wischiwaschi oder Blablabla, das ist Expertentum. Und dieses Wissen sollst und musst du weitergeben, damit dein Kind das bekommt, was ihm gut tut. Es geht mir hier natürlich nicht um Besuchskontakte, sondern um ALLES, was in dem Kinderleben nicht so richtig rund läuft. DU spürst, welcher Kindergarten, welche Schule, welcher Therapeut, welches Umfeld für DEIN Pflegekind optimal ist. Du DARFST das nicht nur sagen, du MUSST es sogar, zum Wohle des Kindes. Und vor allem darfst und musst du dich als Experte für dein Kind wahrnehmen – und dann hast du auch genau die richtige Energie dahinter.

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