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Und unser gutes Vorbild hat doch Auswirkungen…..

Gabi Schmitt

Und unser gutes Vorbild hat doch Auswirkungen…..

Ich weiß genau, wie undankbar „Erziehung“ sein kann. Ich weiß, wie oft man sich fragt, ob alles, was man jemals gemacht hat, an den eigenen Kindern komplett vorbei gegangen ist. Und ich weiß, wie das ist, wenn man denkt, dass ein Kind, dem man Verantwortung vorgelebt hat, doch nicht plötzlich genau das Gegenteil davon leben kann. Man ist sich nicht sicher, ob das, was man immer geglaubt hat, auch tatsächlich stimmt: nämlich dass Kinder das lernen, was man ihnen vorlebt.

Man zweifelt an sich selbst, man zweifelt an dem Kind, man zweifelt überhaupt an der ganzen Thematik „Erziehung“. Dabei ist Erziehung ja gar nicht der einzige Faktor. Die meisten Forscher sind sich weitestgehend einig, dass sowohl die Gene als auch die Umwelt Einfluss auf die Entwicklung von Kindern haben. Ein angeborenes Temperament hat in verschiedenen Umwelten auch ganz verschiedene Auswirkungen. Ein sehr lebhaftes Kind, das viel Bewegung und Freiraum braucht, wird sich in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Stadt anders entwickeln als auf einem Bauernhof auf dem Lande. Und ein sehr introvertiertes Kind mit der Liebe zum Lesen und Klavierspielen wird in einer musikalischen, ruhigen Familie andere Erfahrungen sammeln als in einer Handwerksfamilie, wo Anpacken und ein rauerer Umgangston angesagt sind.

Aber auch die familiäre Umgebung bewirkt einen Unterschied. Kinder wachsen nicht nur mit den Eltern auf, sondern auch mit Geschwistern, Großeltern, Tanten und Onkels, Cousinen und Cousins, Nachbarn und Schulkameraden. Sogar das geliebte Haustier kann einen Unterschied machen.

Es ist ein ganz kompliziertes, multifaktorielles System mit unzähligen klitzekleinen Faktoren, die bewirken, dass ein Mensch so wird, wie er nun mal ist. Je nachdem, in welchem Alter die Kinder in eine Pflegefamilie kommen, haben sie schon eine ganze Menge an Vorerfahrungen und eventuell auch traumatischen Erlebnissen.

Wie oft höre ich, dass sich Pflegemütter fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben. Ob sie etwas anders hätten machen können oder etwas versäumt haben. Meine Antwort darauf: jeder macht das, was er macht, so gut wie er es zu diesem Zeitpunkt kann. Wir tun unser Bestes und sind doch nicht allmächtig.

Mir gefällt dazu ein ganz anderer Gedanke unheimlich gut. Wie wäre es, wenn wir es so sehen würden, dass wir durch unser Tun ganz wertvolle kleine Samen in die Pflegekinder säen. Manche Samen verkümmern. Manche sprießen sofort los wie Unkraut. Andere bleiben vielleicht längere Zeit unter der Erde, unbeachtet, ungesehen. Und plötzlich, zum richtigen Zeitpunkt und durch den richtigen Auslöser, ploppen sie auf. Wenn man schon gar nicht mehr damit gerechnet hat und wenn man sich sicher war, dass da gar nichts mehr ist. Aber im genau richtigen Moment sind sie da und bewirken Gutes, weil sie den Samen weiter tragen. Ist das nicht ein wunderschöner Gedanke?


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